SMARTE WELT?
Von Daten und Diskriminierung
Vortrags- und Diskussionsreihe 2026
25. September (19 Uhr)Wenn KI entscheidet -
wie Algorithmen Ungleichheiten reproduzieren
09. Oktober (19 Uhr)
Digitalzwang begegnen -
wie analoge Teilhabe die Demokratie stärkt
16. Oktober (19 Uhr)
Unsichtbare Ausbeutung -
das Konzept der Plattformökonomie
17. Oktober (14-18 Uhr)
Vortrag & Workshop -
KI Selbstbestimmt und transparent einsetzen
Freitag 25. September, 19 Uhr
Wenn KI entscheidet -
wie Algorithmen Ungleichheiten reproduzieren
Mit PIA SOMBETZKI (AlgorithmWatch)
und SARAH SPITZ & GRIT LANGE (netzforma*)
Digitale Werkzeuge greifen zunehmend auf algorithmische Prozesse und KI zurück. Doch solche Entscheidungssysteme sind weder neutral noch objektiv. Werden sie von Behörden oder Unternehmen eingesetzt, können sie bestehende Ungleichheiten verstärken oder neue Formen von Diskriminierung erzeugen. Besonders kritisch ist der Skalierungseffekt: Verzerrungen in den Daten wirken nicht nur in Einzelfällen, sondern potentiell millionenfach. Dadurch erhalten diskriminierende Muster eine scheinbar technische Legitimation. Besonders betroffen sind marginalisierte Gruppen und Menschen in prekären Lebenssituationen – also diejenigen, die sich am schwersten gegen solche Formen der Benachteiligung zur Wehr setzen können.
Algorithmische Diskriminierung ist Ausdruck digitaler Gewalt und trifft nicht alle gleichermaßen. In ihrem Vortrag konzentrieren sich Sarah und Grit von netzforma*, einem Verein für feministische Netzpolitik, auf die geschlechtsspezifische Dimensionen dieser Gewaltform.
algorithmwatch.org / netzforma.org
ReferentInnen:

Pia Sombetzki Mit ihrem Forschungsprojekt „Diskriminierung 2.0: Wie Algorithmen Menschen diskriminieren“ beleuchtet AlgorithmWatch unterschiedlichste Fälle von algorithmischer Diskriminierung. Pia ist Senior Policy Managerin und Ansprechpartnerin für Themen wie algorithmische Diskriminierung, KI- und Plattformregulierung und dem Einsatz von KI in der öffentlichen Verwaltung. Davor arbeitete Pia als politische Bildnerin bei der Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa. Pia hat Abschlüsse in European Studies (B.A., Maastricht University) und Sozio-kulturellen Studien (M.A., Europa-Universität Frankfurt (Oder)).
Sarah Spitz leitet den Bereich Engagement Units am Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG). In ihrer Arbeit setzt sie sich dafür ein, dass technologische Innovationen im gesellschaftlichen Kontext genutzt werden, um Inklusion und Chancengleichheit zu fördern, und engagiert sich besonders für Diversität im Tech-Sektor.
Grit Lange ist Studentin der Kulturwissenschaft an der Humboldt Universität zu Berlin. In ihrer wissenschaftlichen und politischen Arbeit beschäftigt sie sich mit Plattformregulierung, digitaler Gewalt, Antifeminismus und feministischer Technologiekritik. Sie ist Mitherausgeberin des Sammelbandes Technopolitiken der Sorge (transversal texts, 2024).
Freitag 9. Oktober, 19 Uhr
Digitalzwang begegnen -
wie analoge Teilhabe die Demokratie stärkt
Mit LEENA SIMON (Digitalcourage)
und DANA GIESECKE & TOBIAS BECKER
(Wohnzimmer der Gesellschaft - FUTURZWEI)
Noch immer haben Millionen Menschen in Deutschland nur eingeschränkten Zugang zu digitalen Endgeräten und Diensten. Die Gründe dafür sind vielfältig: fehlende finanzielle Mittel, wenig Digitalkompetenz, gesundheitliche Einschränkungen, unzureichende Infrastruktur oder der bewusste Verzicht. Der sich abzeichnende Trend zu „Digital-Only“-Geschäftsmodellen wird diese Diskriminierung in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter verstärken. Digitale Ausgrenzung bedeutet jedoch nicht nur, bestimmte Services nicht nutzen zu können, sondern oftmals auch den Verlust gesellschaftlicher Mitbestimmung und eingeschränkte Teilhabe am öffentlichen Leben. Digitalcourage e.V. fordert den Bundestag auf, ein „Recht auf Leben ohne Digitalzwang” ins Grundgesetz aufzunehmen. Im Mai dieses Jahres reichte sie die von 70.111 Personen unterzeichnete Petition ein. Leena Simon berichtet über die Kampagne und erläutert, wer betroffen ist und warum ein Recht auf ein Leben ohne Digitalzwang notwendig ist.
Dass Demokratie immer auch analog gelebt werden muss, findet auch FUTURZWEI. Mit ihrem Projekt „Wohnzimmer der Gesellschaft“ stärken sie analoge Vergemeinschaftungen und multifunktionale Begegnungsorte – als analoge Strategie gegen die Zerstörung des Sozialen und für eine Stärkung der Demokratie. Dana Giesecke und Tobias Becker berichten.
digitalcourage.de / wohnzimmer-der-gesellschaft.org
ReferentInnen:

Leena Simon ist graduierte (Netz-)Philosophin aus Berlin. Digitale Mündigkeit, Digitale Selbstverteidigung und Freie Software sind ihre Lieblingsthemen. Außerdem befasst sie sich mit digitaler Gewalt und Cyberstalking, sowie mit digitaler Bildung.
Dana Giesecke Diplom-Soziologin und Wissenschaftskommunikatorin (M.Sc.), ist wissenschaftliche Leiterin von FUTURZWEI. Sie entwickelt und begleitet seit 2011 Projekte zu gesellschaftlichem Wandel, Demokratie und Teilhabe. Mit dem Projekt „Wohnzimmer der Gesellschaft“ setzt sich FUTURZWEI für die Stärkung analoger Begegnungsorte als Orte des Austauschs, der Nachbarschaft und des demokratischen Miteinanders ein.
Tobias Becker M.A. Visual and Media Anthropology, ist Projektleiter von Doing Democracy, eine Aktionsplattform, die versucht experimentelle Räume – on the ground – zu schaffen, in denen Begegnung, Teilhabe und Co-Kreativität stattfinden können sowie neue / alte Stimmen und Ideen gehört werden.
Freitag 16. Oktober, 19 Uhr
Unsichtbare Ausbeutung -
das Konzept der Plattformökonomie
Mit NINA SCHOLZ (freie Journalistin)
und GIANLUCA GIORGIO (Softwareentwickler)
Wir widmen uns den kaum sichtbaren prekären Arbeitsverhältnissen, die viele digitale Geschäftsmodelle überhaupt erst ermöglichen. In der globalen Gig-Economy werden weltweit Arbeits- und Sozialrechte von Clickworker*innen, Datenarbeiter*innen und Plattform-beschäftigten häufig systematisch unterlaufen. Besonders betroffen sind Personen mit Migrationserfahrung oder ohne sicheren Aufenthaltsstatus. Plattformen wie Meta, Uber oder OpenAI profitieren von Strukturen, die soziale Absicherung umgehen und Abhängigkeiten verstärken.
ReferentInnen:

Nina Scholz arbeitet als freie (Investigativ-) Journalistin zu den Themen Tech, Arbeit, Gewerkschaften für Print und Radio. Besonders die Auseinandersetzungen bei Amazon, Lieferando und Tesla verfolgt sie seit vielen Jahren. 2022 ist ihr zweites Buch “Die wunden Punkte von Google, Amazon, Deutsche Wohnen & Co“ im Bertz und Fischer Verlag erschienen. Sie berichtet über die Arbeitsbedingungen von Plattform- und Techarbeiter*innen in Berlin und Deutschland und darüber, wie digitale Geschäftsmodelle Arbeitsrechte unterlaufen. Anhand von Beispielen aus der Berliner Plattformökonomie zeigt sie, wie sich Beschäftigte gegen prekäre Arbeitsverhältnisse und die Macht der Plattformen organisieren. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Rolle Gewerkschaften und Betriebsräte dabei spielen können.
Gianluca Giorgio arbeitete als Softwareentwickler bei einem bekannten Fintech-Unternehmen und setzte sich für die Gründung eines Betriebsrats ein. Ausgehend von seinen Erfahrungen erläutert er die Strategien, mit denen Big-Tech-Unternehmen den Versuchen ihrer Mitarbeiter entgegenwirken, ihre Rechte am Arbeitsplatz durchzusetzen.
Samstag 17. Oktober, 14-18 Uhr
Vortrag & Workshop
KI Selbstbestimmt und transparent einsetzen
Mit STEFAN MEY (freier Journalist)
Künstliche Intelligenz ist praktisch. Das Problem: KI-Anbieter können stets mithorchen, da alle Eingaben und Fragen in deren Rechenzentren landen. Eine Lösung sind KI-Modelle, die lokal auf dem eigenen Rechner oder Smartphone laufen. Mit ihnen kann man eine kleine, ganz private KI-Anwendung betreiben – datensparsam, selbstbestimmt und unbegrenzt kostenlos. Da die Technik auf eigenen Geräten nur kleine Versionen der Modelle bewältigen kann, muss man mit Einschränkungen leben. Aber für verschiedene Alltagszwecke eignet sich lokale KI sehr gut. Dank leicht verständlicher Hilfsprogramme geht das auch ohne IT-Know-how.
Im ersten Teil zeigt der Vortrag auf, was freie KI ist und was sie kann. Im zweiten Teil kann lokale KI auf mitgebrachten Geräten oder Testgeräten praktisch ausprobiert werden.
Referent:

Stefan Mey ist freier Journalist in Berlin. In seiner Arbeit betrachtet er gesellschaftliche Entwicklungen, ökonomische und politische Machtverhältnisse im Internet sowie digitale Gegenöffentlichkeiten.
stefan-mey.com
Veranstaltungsort: Zunftwirtschaft
in der Arminiusmarkthalle - Berlin Moabit
Arminiusstraße 2-4
10551 Berlin Wegbeschreibung
Die Veranstaltung ist kostenfrei und ohne Anmeldung.
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Ausgangslage:
In öffentlichen Debatten werden vor allem die Vorteile der digitalen Transformation betont: mehr Teilhabe, höhere Effizienz und vereinfachte Prozesse. Doch nicht alle Menschen profitieren gleichermaßen von diesen Entwicklungen. Diskriminierung, Ausgrenzung und Ausbeutung sind in vielen digitalen Systemen, Plattformen und ihren Geschäftsmodellen strukturell verankert. Die zugrunde liegenden Mechanismen sind bislang nur unzureichend einer breiteren Öffentlichkeit bekannt und ihre Sichtbarmachung wird durch intransparente Algorithmen, Geschäftsgeheimnisse und abgeschottete Unternehmensstrukturen zusätzlich erschwert.
Die Vortrags- und Diskussionsreihe "SMARTE WELT? - Demokratie, KI und Algorithmen" wird gefördert durch die Berliner Landeszentrale für politische Bildung.