Digitaler Neokolonialismus
Daten, Ressourcen, Abhängigkeiten – wer profitiert?
Vortrags- und Diskussionsreihe 2026
Samstag 06. Juni (15 Uhr)Sprachmachinen als neue Kolonialität des Wissens:
Wie KI unser Denken verändert
Samstag 27. Juni (15 Uhr)
Rohstoffe für die Digitalisierung -
was in Smartphone und Co. steckt
Samstag 18. Juli (15 Uhr)
Content Moderation at Scale -
How Labor Extractivism Powers Platform Models
Freitag 24. Juli (19 Uhr)
The Platform Economy -
Exploitation on our Doorstep
Samstag 25. Juli (15 Uhr)
Was tun?
Alternativen & Handlungsperspektiven
Samstag 06. Juni, 15 - 17 Uhr
Sprachmachinen als neue Kolonialität des Wissens:
Wie KI unser Denken verändert
Mit ROBERTO SIMANOWSKI (Medienphilosoph & Autor)
und LUCIANA GATTASS-SIMANOWSKI (Wissenschaftlerin)
Jede Technik hat die Macht, ahnungslosen Nutzern ihre eigene Logik aufzuzwingen. Ausgehend von seinem 2025 erschienenen Buch „Sprachmaschinen. Eine Philosophie der Künstlichen Intelligenz” (C. H. Beck) untersucht Roberto Simanowski, wie KI unser Denken, Schreiben und Lesen verändert und auf welche Weise diese Entwicklungen mit kulturellen Dynamiken des (Neo)Kolonialismus verknüpft sind. Luciana Gattass-Simanowski, gebürtige Brasilianerin, sieht in Sprachmaschinen wegen ihrer Dominanz nördlicher Trainingsdaten eine Erneuerung der Kolonialität des Wissens.
ReferentInnen:

Roberto Simanowski ist Autor mehrerer Bücher zu u.a. Politik der digitalen Medien. Sein Buch Todesalgorithmus. Das Dilemma der künstlichen Intelligenz wurde mit den Tractatus-Preis für philosophische Essayistik 2020 ausgezeichnet. Er ist promovierter Literaturwissenschaftler und habilitierter Medienwissenschaftler. Er hatte Professuren in den USA, der Schweiz und Hongkong inne und war Fellow und Gastprofessor u.a. an Harvard University, PUC in Rio de Janeiro und Freie Universität Berlin. www.simanowski.info
Luciana Gattass-Simanowski ist brasilianische Wissenschaftlerin für Literatur- und Medientheorie mit dem Fokus auf digitale Kultur, Kosmopolitismus und kulturelle Macht in vernetzten und automatisierten Umgebungen. www.lugatt.net
Samstag 27. Juni, 15 - 17 Uhr
Rohstoffe für die Digitalisierung -
was in Smartphone und Co. steckt
Mit THERESA UTZIG (INKOTA-netzwerk e.V.)
Welche globalen sozialen und ökologischen Kosten verbergen sich hinter digitalen Technologien wie Smartphones und Cloud-Infrastruktur? Digitale Anwendungen erscheinen oft immateriell – doch sie basieren auf physischen Ressourcen und komplexen globalen Lieferketten. Der Vortrag macht sichtbar, welche Prozesse hinter der Digitalisierung stehen: vom Rohstoffabbau für Elektronikgeräte, über den Energieverbrauch von Rechenzentren bis zur häufig kurzen Nutzung und Entsorgung von Geräten. Welche Auswirkungen haben diese Strukturen auf Menschen und Umwelt und welche Rolle spielen politische Ansätze wie EU-Gesetzgebung zu Reparatur, Abfallvermeidung und Kreislaufwirtschaft?
Referentin:

Theresa Utzig arbeitet beim INKOTA-netzwerk zu Menschenrechtsverletzungen und Umweltauswirkungen in metallischen Rohstofflieferketten und in Produktkreisläufen im Bereich Informations- und Kommunikationstechnik. Der entwicklungspolitische Verein INKOTA-netzwerk e.V. setzt sich für Gerechtigkeit in globalen Lieferketten ein und arbeitet direkt mit Partnern im Globalen Süden zusammen. www.inkota.de
Samstag 18. Juli, 15 - 17 Uhr
(Veranstaltung auf Englisch)
Content Moderation at Scale -
How Labor Extractivism Powers Platform Models
Mit SANA AHMAD (Weizenbaum Institute)
Who decides what content we see on social media every day, and what is restricted? Content moderation is a central yet often invisible part of digital platforms. While technology companies in the Global North benefit from control and power, the actual moderation work is often outsourced to the Global South. Sana Ahmad explores how these global value chains are structured and the power dynamics that reproduce and accelerate them.
Referentin:

Sana Ahmad is a social scientist and Senior Researcher at the Weizenbaum Institute in Berlin. Her research explores how digitalisation and AI are transforming global labour relations, particularly in the context of platform work and global value chains. Her current work includes research on content moderation, migration and the ethical adoption of AI with a special focus on the Global South. www.weizenbaum-institut.de
Freitag 24. Juli, 19 - 21 Uhr
(Veranstaltung auf Englisch)
The Platform Economy -
Exploitation on Our Doorstep
Mit DIDEM ÖZKIZILTAN WAGENFÜHRER
(WZB - Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung)
Digital platforms are playing an increasingly important role in shaping the world of work — from food delivery and ride-hailing services to cleaning and courier work. But what does it mean for workers when apps, ratings, and algorithmic management determine their everyday working lives? Drawing on the Fairwork study, the event explores why platform work is often precarious, which structural inequalities it reinforces, and why these jobs in Germany are most often carried out by migrant workers. The focus will be on the everyday challenges faced by platform workers, as well as on approaches to improving their working and living conditions.
Referentin:

Dr. Didem Özkiziltan Wagenführer is a Postdoctoral Research Fellow with the Fairwork Project’s team at the WZB Berlin Social Science Center. Her research focuses on AI regulation, platform work, and employment relations. She holds a PhD in Social & Policy Sciences from the University of Bath and has previously held postdoctoral positions at the Weizenbaum Institute, the University of Parma, the Hertie School, and Freie Universität Berlin. www.wzb.eu
Die Veranstaltung ist kostenfrei.
Plätze sind begrenzt, eine Reservierung ist erwünscht: anmeldung@topio.info
Veranstaltungsort: Zunftwirtschaft
in der Arminiusmarkthalle - Berlin Moabit
Arminiusstraße 2-4
10551 Berlin Wegbeschreibung
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Ausgangslage:
Von ausgelagerter, oft unsichtbarer Arbeit wie Content Moderation sowie prekärer Beschäftigung in der Plattformökonomie bis hin zum Abbau von Rohstoffen für unsere Geräte: Die Veranstaltungsreihe beleuchtet, wie digitale Technologien globale Ungleichheiten verschärfen, welche sozialen und ökologischen Folgen diese für Mensch und Umwelt hat und warum von digitalem Neokolonialismus gesprochen wird.
Anhand von alltagsnahen Beispielen zeigen wir auf, wer von der Digitalisierung profitiert, wer die Kosten trägt und wie sich diese Machtverhältnisse in unseren Geräten, Apps und Plattformen einschreiben. Die Reihe lädt dazu ein, diese Zusammenhänge besser zu verstehen und konkrete Handlungsmöglichkeiten für den eigenen Alltag und gesellschaftliches Engagement zu entwickeln.
Samstag 25. Juli, 15 - 17 Uhr
Was tun? Alternativen & Handlungsperspektiven
Offener Abschluss-WorkshopDen Abschluss der Reihe bildet ein moderierter Workshop, der die Themen und Diskussionen der vergangenen Veranstaltungen aufgreift und auf die Frage zuspitzt, was daraus folgen kann. In offener Atmosphäre ist Raum, Eindrücke zu sortieren, offene Fragen weiterzudenken und gemeinsam nach konkreten Ansatzpunkten für den eigenen Alltag und gesellschaftliches Handeln zu suchen.
Der Workshop findet an unserem Marktstand in der Arminiusmarkthalle statt. Wegbeschreibung

Die Vortrags- und Diskussionsreihe "Digitaler Neokolonialismus: Daten, Ressourcen, Abhängigkeiten – wer profitiert?" wird gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL mit Mitteln des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Für den Inhalt dieser Veranstaltung ist alleine Topio e.V. verantwortlich; die hier dargestellten Positionen geben nicht den Standpunkt von Engagement Global oder des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wieder.